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Mit Freunden 5900 km durch Norwegen

Das nördlichste Ziel unserer diesjährigen Norwegenreise waren die Lofoten. Wir folgten der E6, ein paar Tage, bis zur Fähre Bognes – Lødingen. Es sind nämlich bummelige 2200 km zu bewältigen, und wir vier „Grauesel“ haben ja Zeit. Außerdem ist die Landschaft viel zu abwechslungsreich, um im Eiltempo hoch zu brettern. Berge, Seen, Flüsse, enge Schluchten wechseln sich ab. Nach Dombas führte uns die E6 steil bergauf zum Dovrefjell mit seiner kargen Vegetation, eingerahmt von den umliegenden schneebedeckten Bergen, eine rauhe Schönheit.

Nach Trondheim weitet sich das Land mit sanften Bergen und viel Wald und Wiesen. Landwirtschaft ist hier angesagt. Der Trondheimfjord begleitet uns eine ganze Weile, abgelöst wird er von Seen und Wasserläufen, bis wir uns langsam dem Polarkreis nähern. Hier empfängt uns ein frischer Wind und ringsherum sind noch, jetzt im Hochsommer, einige Schneefelder zu bestaunen. Donnernd strömen Wassermassen in ihrem Flussbett zu Tal.

Wir erreichten Bognes bei schönstem Wetter und erlebten eine ruhige See auf der Überfahrt zu den Lofoten, die sich im Sonnenlicht von ihrer schönsten Seite zeigten, scharfkantige Konturen wie ein Sägeblatt und die Bergspitzen mit Schnee bedeckt. Traumhaft schön auf den Lofoten sind die kleinen schneeweißen Strände, besonders der von Haukland mit seinem türkisfarbenen Atlantikwasser. Strand von Haukland Hier hieß es dann: Schuhe aus, Strümpfe aus und den Nordatlantik an den Füßen spüren. Ein prickelndes Erlebnis! Am Abend dann eine Wanderung am Nordatlantik entlang bis Utlakleiv, um den Sonnenuntergang zu erleben.

In diesem Jahr bekamen wir auch die raue Seite der Lofoten zu spüren. Nicht nur, das der Himmel seine Schleusen öffnete, nein, auch die Windsbräute schüttelten uns in unserem Rapido tüchtig durch. Aber dann kam die Sonne mit ihrer Wärme wieder zum Vorschein und alles war gut!!

Wir durchquerten die Lofoten bis Å und zurück nach Lødingen. Von dort wieder mit der Fähre nach Bognes und ab in Richtung Süden.

In Fauske verließen wir die E6 in Richtung Saltstraumen zur Rv 17, eine der schönsten Routen in Nordnorwegen. Sie führt am Atlantik entlang, streift das Svartisen-Gletschermassiv, das Gebirge der „Sieben Schwestern“ und vieles mehr. Unterwegs fanden wir etliche sehr schöne und ruhige Stellplätze. Außerdem muß man zwischendurch immer mal wieder mit einer Fähre zur See fahren und kann das Land von der Seeseite aus bestaunen.

Blick auf den Svartisen-Gletscher mit Reisemobil im Vordergrund

In Nessna steuerten wir den Campingplatz an. Ein wirklich toller Platz! Außerdem laufen die Hurtigruten-Schiffe Nessna an und lassen dabei ihr Typhon ertönen. Das geht durch Mark und Bein!!

Langsam kamen wir immer südlicher und stießen in Steinkjer wieder auf die E6. Ihr folgten wir dann bis Otta. Hier bogen wir ab und fuhren auf der Rv15 bis Lom.

Lom´s Anziehungspunkt ist die alte sehr gut erhaltene Stabkirche. Ein Blick in ihr Inneres ist lohnenswert. Danach folgten wir der Rv55 durch das Bøverdal hinauf zum Sognefjell. Bald erblickten wir die ersten Bergriesen, der Höchste unter ihnen ist der Galdhøppigen (2469 m) mit seinen Gletschern rundum. Zu Tal rauschende Wasserfälle gab´s zu bestaunen und jede Menge Schnee lag dort oben. Eine grandiose Landschaft, die uns Menschen ganz klein werden lässt. Und, ein kleiner Rat von mir: Wer das Sognefjell überqueren möchte, sollte auf jeden Fall eine warme Unterhose mehr anziehen, weil hier oben nur „kuschelige“ 0° – 10° Grad bei frischem Wind herrschen. Wir sahen viele frierende Menschen in ihren kurzen Hosen und dünnen T-shirts.

Danach schlängelte sich die Rv55 in endlosen Serpentinen zurück ins Tal zum Lustrafjord und wärmeren Temperaturen.

Ein weiteres Highlight war der Nigaardbreen, eine der vielen Gletscherzungen des größten nordeuropäischen Festlandgletschers, dem Jostedalbreen. Er ist sage und schreibe 40 km lang, 15 km breit und bedeckt eine Fläche von ca. 2.006.474 km². Der Nigaardbreen zeigte sich im schönsten Sonnenlicht mit grünlich schimmernden Farbspielen.

Blick über den Nigaardbreen

Auf der E16 sollte es langsam südwärts gehen. Jedoch bescherte uns ein Abstecher über die Rv53 ein weiteres WOW-Erlebnis. Ruhig und gemütlich mit netten Rastplätzen, die zur Kaffeepause einladen, verläuft die Route am Årdalsvatnet entlang ----- bis Ovre Årdal. Dann kommt´s: Von jetzt auf gleich geht´s in engen Serpentinen und Haarnadelkurven den Berg hinauf. Kein Baum, kein Strauch stört den Blick nach unten auf den immer kleiner werdenden Ort am See. Dann verwirklicht sich tatsächlich die oft gebrauchte Aussage: Die Straßen sind manchmal so eng, dass es nur für ein WoMo und ein Motorrad reicht und dann kommt ein Bus entgegen! Es kam nicht nur ein Bus entgegen, es kamen z w e i !!! Und wir kamen mit zwei WoMos den Berg hinauf!! Mit gegenseitiger Rücksichtnahme und vor und zurück rangieren klappte das Manöver mit wenigen Zentimeter Abstand voneinander. Weiter ging´s den Berg hinauf. Aber was war das!!! In der Haarnadelkurve ---- Tunnel --- schwarzes Loch --- nichts, aber auch gar nichts, zu sehen!! ----- Gänsehaut pur!!! ----- Einige Meter weiter: Gott sei Dank!! Licht am Ende des Tunnels!!! Und das hatten wir drei Mal!! Schlimmer war´s für unseren Freund, der hinter uns fuhr. Für ihn waren wir für einen Moment total verschwunden! Er sah unsere Rücklichter nicht mehr!!

Aber dann waren wir endlich oben und es offenbarte sich ein Landschaftsbild, das wir so noch nicht gesehen hatten, und wir waren schon oft in Norwegen. Tiefe Risse in den Bergen, enge Schluchten, in denen das Wasser rauschte, alles völlig unwirklich und trotzdem; auch hier hatten Norweger ihre Ferienhütten gebaut, obwohl diese nur über eine Hängebrücke zu erreichen sind und die Versorgung über eine kleine Seilbahn läuft. Danach weitete sich das Blickfeld wieder und wir folgten dem Ufer eines großen Sees, der eingerahmt von schneebedeckten Bergen beruhigend auf uns einwirkte. In leichten Serpentinen führte uns die Straße talwärts bis wir auf die E16 stießen.

Bald hatten wir Südnorwegen erreicht und genossen ein wenig das Stadtleben in Horten, Tønsberg und Sandefjord. In Sandefjord sagten wir: „Ha det bra (Tschüß) Norwegen bis nächstes Jahr.“ Die Fähre brachte uns nach Strømstad/Schweden.

Hans-Jürgen und Ingrid Schäfer

Karte von Norwegen mit eingezeichneter Reiseroute